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Interview mit Ann (Hanne) Smyrner vom 18.08.2001

 

Ann oder richtiger "Hanne" Smyrner wurde am 3.11.1934 in Frederiksborg in Dänemark geboren. Vielen ist sie in Erinnerung durch ihre relativ kurze Karriere in europäischen Unterhaltungsfilmen. Sie drehte in der Zeit von 1957 bis 1971 immerhin mehr als 40 Filme. Dabei handelte es sich meist um seichte Lustspiele, später war sie in allen Genres zuhause. Vom Western DIE LETZTE RECHNUNG ZAHLST DU SELBST, über SciFi PERRY RHODAN - SOS IM WELTALL, bis hin zu moderaten Erotikfilmen wie ICH BETOHNE, OBEN OHNE. In einem Interview erlebte ich die Frau als offene und warmherzige Gesprächspartnerin, die wenngleich sie sich auch nicht an viele Details erinnern kann, kein Blatt vor den Mund nimmt.

Hanne Smyrner lebt seit vielen Jahren in Spanien, sehr altmodisch und zurückgezogen in den Bergen. Ihr Freund ist der in Dänemark sehr bekannte Journalist Ole Hansen, mit dem sie seit 35 Jahren zusammen, aber - wie sie betont - nicht verheiratet ist. Er besucht sie einmal im Monat, während sie so gut wie nie nach Dänemark reist: "weil mir die Menschen und das Land zu kühl und langweilig sind!" Seit einigen Jahren besitzt sie auch die spanische Staatsbürgerschaft. Ihr Vater Poul Smyrner (1899-1978) war einer der führenden Schauspieler am königlichen Staatstheater und in Dänemark eine geachtete Größe, vergleichbar mit Emil Jannings in Deutschland.

Den interessanteren Teil ihrer Karriere machen mit Sicherheit die vielen italienischen Co-Produktionen der späten 60er und frühen 70er aus. Deshalb zäumen wir das Pferd diesmal von hinten auf. 1972 schied sie aus dem Filmgeschäft aus, in dem sie nie die Filme drehen konnte die sie sich gewünscht hätte. "Meine Lieblingsregisseure sind Kurosawa und Bergmann". Mittlerweile beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit Esoterik und Religion. Ann schreibt Bücher darüber, macht Vortragsreisen und sie hat auch ein Gedichtband über den Tod geschrieben, der allerdings noch keinen Verleger gefunden hat. Ein Gedicht heißt "Warum?" und beschäftigt sich mit den Selbstmorden von 4 Freunden, allesamt bekannte deutsche Schauspieler ihrer Zeit. Dabei handelt es sich um Harry Mayen, Renate Ewert, Peter Vogel und Susanne Cramer. Alle diese 4 schieden auf relativ grausame Art und Weise aus dem Leben. Mayen, mit dem sie in dem Theaterstück "Das Schloss in Schweden" auftrat, erhängte sich. Peter Vogel nahm sich in einem schäbigen Hotelzimmer das Leben, mittels einer Überdosis Tabletten. Noch schlimmer das Schicksal der befreundeten Schauspielerinnen Ewert (AGENT 505 - TODESFALLE BEIRUT) und Cramer. Susanne Cramer (SCHWARZE NYLONS - HEISSE NÄCHTE), die in die USA gegangen war um Karriere zu machen, fand ihre Freundin 1966 bei einem Besuch in München tot in ihrer Wohnung. Dort hatte sie bereits 3 Wochen auf dem Fußboden gelegen, zu Tode gehungert. Darüber kam Susanne Kramer, welche damals als schönste Frau der Welt galt, nie hinweg. Früher war sie übrigens verheiratet mit dem Schauspieler Helmut Lohner, Ann Smyrner: "eine unglückliche Beziehung, wie Katz und Hund. In den Staaten war sie dann zusammen mit einem reichen Amerikaner. Von Todessehnsucht getrieben nahm sie eine Überdosis Schlaftabletten. Gerade noch gerettet wurde sie in eine Privatklinik eingeliefert, wo ihr Ehemann sie rund um die Uhr bewachen ließ. In einem unachtsamen Moment riss sie sich selbst den lebenserhaltenden Schlauch aus dem Körper und starb".

Diese Erlebnisse haben die junge Ann Smyrner geprägt und genauso entsetzt ist sie über die vielen Todesmeldungen, die ich ihr überbringen muss (Leipnitz, Olsen, Frank). Mit dem Filmgeschäft hat sie nämlich vollkommen abgeschlossen, und sie hat auch keine Freunde von damals mehr. "Man ging eben nach hause und das war's. Ich bin mir auch klar darüber, dass viele Filme einfach nur Scheiße waren, aber ich war einfach nur ein lebenslustiges Mädchen, das auf Spaß, Männer und Geld aus war. Und ich habe mein Leben dementsprechend genossen".

Eine besonders innige Bekanntschaft pflegte sie zu Götz George, O.W. Fischer und Herbert Fux. In Götz George (sie nannte ihn "Putzi") war sie hemmungslos verliebt (mehr verrät sie nicht) und OW. Fischer betete sie an. Lex Barker wiederum machte ihr den Hof, er war auf der Suche nach einer Mutter für sein Kind Christopher, der heute in der Schweiz lebt. Barkers vorherige Ehefrau, eine Schweizerin verstarb leider. Als Mutter oder Ersatzmutter wollte die junge Ann ganz und gar nicht dienen, denn sie war darauf aus ihr Leben zu leben und nicht ein Kind zu hüten. Sich selbst beschreibt sich in dieser Zeit als "bengalischer Tiger", ruhe und rastlos, abenteuersuchend. So heiratete Lex schließlich die Spanierin Tita, welche heutzutage mit dem greisen Baron von Thyssen verheiratet ist und in den höchsten Kreisen Spaniens verkehrt. Charakterlich beschreibt Ann Smyrner Barker als "müde und ausgebrannt und einen fürchterlichen Schauspieler, der nur gut aussah".

Ein weiterer ihrer zahlreichen schillernden Filmpartner war Sieghardt Rupp: "ein Teufel, der genau wusste wie gut er auf Frauen wirkte. Allerdings war er auch ein Säufer". Ann Smyrner erinnert sich, dass er ständig zu spät zum Dreh kam. Einmal tauchte er morgens nicht auf und die Filmcrew fand ihn in einem ausgetrockneten Springbrunnen, in den er nachts gefallen war und dort schlief er dann seinen Rausch aus, bis er von den morgendlichen Wasserfontänen geweckt wurde.

Gut kam sie mit Erik Schumann aus, aber verliebt war sie in Harald Leipnitz, der allerdings selbst "scharf auf Marisa Mell war". Um sie ihm abspenstig zu machen, buhlte sie selbst um die attraktive Österreicherin, obwohl sie "nicht lesbisch gewesen sei". Marisa Mell war der Sache aber nicht abgeneigt...

Wunderbare Erinnerungen hat Frau Smyrner an Herbert Fux ("Fuxi"), der auch ein guter Freund ihres Mannes war. Sie erinnert sich daran, dass Fux damals mit einer Römerin befreundet war, die er "Suppenhuhn" nannte. Zusammen feierte man Neujahr in Rom, wo es Sitte war, um Mitternacht, Möbel und Nachttöpfe aus den Fenstern zu schmeißen. Bei dieser landesüblichen Tradition entwickelten aber alle ungewöhnlich viel Spaß.

Auch mit Kinski drehte Smyrner (DIE SCHWARZE COBRA) und über ihn hat sie praktisch unentwegt gelacht. Während sie nämlich toternste Szenen zu spielen hatte, machte der gute Klaus "Gesichter wie ein Clown und schnitt Grimassen" und sie brach ständig in Gelächter aus. Den Ärger bekam sie, denn der Regisseur, konnte Kinskis Aktionen nicht sehen. Ansonsten haben sie sich aber gut verstanden, auch wenn "Kinski bei ihr nicht landen konnte".

Wesentlich schwieriger gestaltete sich das Verhältnis zu dem schauspielerischen Schwergewicht Wolfgang Kieling, mit dem sie zwar oft abends weg war, der aber ein schwieriger Mensch war, sehr introvertiert und unglücklich über seine damalige Ehe. Ann Smyrner bezeichnet ihn gar als "halb-schizophren".
Bei dem Film KOMMISSAR X - DREI GELBE KATZEN traf sie auf das Darstellergespann Harris/ Kendall. Während sie zu Harris die milden Worte "amerikanischer Schrank" übrig hatte, kam sie mit Kendall ganz und gar nicht zu recht: "Er war ein mieser Kerl. Vor jeder Kuss-Szene nahm er Gurgelwasser, um zu zeigen, wie widerlich ein Kuss mit mir sei und danach hat er immer so getan, als ob er Kotzen müsste". Sie versuchte gar einem Schlangenbeschwörer (der Film wurde in Indonesien gedreht) ein Tier abzukaufen, um es in seinem Zimmer zu platzieren. Mit Freude nimmt sie heute zur Kenntnis, dass Kendall später billige Erotikfilme drehen musste.
Adrian Hoven dagegen war ein netter Kumpel, gar nicht eingebildet, den sie auch nur als Freund sah.
Von den weiblichen Kolleginnen hat sie nur eine gute Erinnerung an Elke Sommer, mit der sich auch heute noch lose Kontakt hat.

Auch an den österreichischen Regisseur Rolf Olsen, mit dem sie DAS GO GO GIRL VOM BLOW UP drehte, hat sie einige lebhafte Erinnerungen: "Er war tyrannisch und schnoddrig, wie ein großer Hund". Harry Allan Towers, Produzent ihres gemeinsamen Filmes DAS HAUS DER TAUSEND FREUDEN, war ihr nicht minder sympathisch: "Eine sehr intelligente Missgeburt mit einem Quasimodo-Buckel". Rudolf Zehetgruber hingegen bezeichnet sie lediglich als "farblos".

Besonders schlimm müssen die Dreharbeiten zu KREUZFAHRT DES GRAUENS gewesen sein. Ständig ging das Geld aus und Ann fand morgens an ihrem Hotelzimmer einen Zettel, auf dem stand, dass sie ausziehen müsse, weil das Geld wieder nicht bezahlt wurde. PERRY RHODAN ("Was für ein Scheiss") wurde auf Teneriffa gedreht, um eine Mondlandschaft vorzutäuschen. Wohlwollend erinnert sie sich im Gegensatz dazu an die professionellen Dreharbeiten in den Cinecitta-Studios zu dem Stegani-Western DIE LETZTE RECHNUNG ZAHLST DU SELBST. In Dänemark drehte sie mit dem jüdischen/amerikanischen Regisseur Sidney Pink (Baujahr 1916) zwei extrem schräge SciFi-Streifen: REPTILICUS und JOURNEY TO THE SEVENTH PLANET, die mittlerweile Kultstatus besitzen. Diese wurden im botanischen Garten von Kopenhagen gedreht, wo mit einem grünen Schaum Uranus-Athmosphäre heraufbeschworen wurde . . .

Zumindest ein Werk ihrer Filmographie ist für sie auch heute noch etwas besonderes, ihr zweiter Film -und ihre erste Hauptrolle- LILLI - EIN MÄDCHEN AUS DER GROSSTADT (1957). Um diesen Film rankt sich eine besondere Geschichte, denn LILLI war damals eine Bild-Zeitungs-Cartoon-Figur mit ungeheurer Popularität. Ein Mädchen mit einem Pferdeschwanz, ähnlich einem weiblichen James Bond. Irgendwann kam die Idee auf, einen Film über diese Figur zu machen und in ganz Deutschland wurde ein Aufruf gestartet, Fotos einzusenden, um die optimale Lilli zu finden. Ann Smyrner war damals als junges Starlet frisch in München und verstand kaum ein Wort deutsch. Als sie eines morgens bei einem Gemüsehändler einkaufen war, brüllte der plötzlich "Du bist die richtige Lilli, bewirb dich!". Was sie daraufhin auch tat. Sie kam mit 5 anderen Mädchen in eine Endausscheidung und wurde von den Lesern der Bild-Zeitung zur "Lilli" gewählt. Es kam allerdings zu "kriegsähnlichen Zuständen", denn die Figur der Lilli war typisch Deutsch ("Lebensborn") und Ann war nun mal Dänin, mit schlechten Deutschkenntnissen. Die Produzenten setzten sich schließlich mit dem Argument durch, das man Ann Smyrner synchronisiert, der Film wurde trotzdem kein Erfolg.

Hanne Smyrner ist nach wie vor eine lebenshungrige Frau, die sich "wie 30 fühlt" und ihre Interessen unverblümt auslebt. Ihre Erfahrungen im Filmgeschäft sind für sie heute nur noch eine nette Fußnote, "ohne jede Bedeutung . . ."
kt


FILMOGRAPHIE ANN SMYRNER

1971 Tante Trude aus Buxtehude, Regie: Franz Josef Gottlieb

1971 Zu dumm zum... .. /Der Großmaul-Casanova, Regie: Henry van Lyck

1970 11 Uhr 20, Regie: Wolfgang Becker

1970 Das gelbe Haus am Pinnasberg, Regie: Alfred Vohrer

1969 Heubodengeflüster, Regie: Rolf Olsen

1969 Kreuzfahrt des Grauens/ Die Todesyacht, Regie: Guido Leoni

1969 Warum hab ich bloß 2 x ja gesagt?, Regie: Franz Antel

1969 Der Kommissar - Episode "Das Messer im Geldschrank", Regie: Wolfgang Becker

1968 Das Go-Go-Girl vom Blow Up/ Ich betone - oben ohne, Regie: Rolf Olsen

1968 Un Killer per sua maestà - aka Zucker für den Mörder, Regie: Federico Chentrens

1968 Paradies der flotten Sünder, Regie: Rolf Olsen/ August Rieger

1967 Al di là della legge - aka Die letzte Rechnung zahlst Du selbst, Regie: Giorgio Stegani

1967 La Casa de las mil muñecas - aka Das Haus der tausend Freuden, Regie: Jeremy Summers

1967 ...4 ...3 ...2 ...1 ...morte - aka Perry Rhodan - SOS aus dem Weltall, Regie: Primo Zeglio

1966 Kommissar X - Drei gelbe Katzen, Regie: Rudolf Zehetgruber

1966 La Muerte se llama Myriam - aka Der Mann von Toledo, Regie: Eugenio Martin

1965 Angélique et le roi - aka Angelique und der König, Regie: Bernard Borderie

1965 Die Liebesquelle, Regie: Ernst Hofbauer

1964 The Diamond Walkers - aka Die Jagd auf blaue Diamanten, Regie: Paul Martin

1964 Das Siebente Opfer, Regie: Franz Josef Gottlieb

1964 Victim Five, Regie: Robert Lynn

1964 Heirate mich, Cherie, Regie: Axel von Ambesser

1964 Holiday in St. Tropez, Regie: Ernst Hofbauer

1963 Piccadilly null Uhr zwölf, Regie: Rudolf Zehetgruber

1963 Wochentags immer, Regie: Michael Burk

1963 Die Schwarze Kobra, Regie: Rudolf Zehetgruber

1963 Das Todesauge von Ceylon, Regie: Gerd Oswald/ Giovanni Roccardi

1963 Frühstück im Doppelbett, Regie: Axel vom Ambesser

1962 Das haben die Mädchen gern/ Die lustigen Vagabunden, Regie: Kurt Nachmann

1962 Drei Liebesbriefe aus Tirol, Regie: Werner Jacobs

1962 Journey to the Seventh Planet, Regie: Sidney W. Pink

1962 Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett, Regie: Franz Antel

1962 Romanze in Venedig, Regie: Eduard von Borsody

1962 Das Mädchen und der Staatsanwalt, Regie: Jürgen Goslar

1961 Frau Cheneys Ende, Regie: Franz Josef Wild

1961 Reptilicus, Regie: Sidney W. Pink

1960 Himmel, Amor und Zwirn, Regie: Ulrich Erfurth

1960 Die Insel der Amazonen, Regie: Otto Meyer

1960 Mit 17 weint man nicht, Regie: Alfred Vohrer

1960 Pension Schöller, Regie: Georg Jacoby

1959 Drillinge an Bord, Regie: Hans Müller

1959 Il Peccato degli anni verdi, Regie: Leopoldo Trieste

1958 Hier bin ich - hier bleib' ich, Regie: Werner Jacobs

1957 Von allen geliebt, Regie: Paul Verhoeven

1957 Lilli - ein Mädchen aus der Großstadt, Regie: Hermann Leitner

 


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