Django il bastardo (1969)

(dt:Django und die Bande der Bluthunde)
Höllenhunde gehetzt bis zum Verrecken
D:Anthony Steffen (Antonio de Teffé), Rada Rassimov, Paolo Gozlino, Lu Kamante (=Luciano Rossi), Teodoro Corrà, Jean Louis, Carlo Gaddi, Tomas Rudy, Furio Meniconi // R:Sergio Garrone B:Garrone, Antonio de Teffé K:Gino Santini M:Vasco (=Vassili Kojucharov), (Elsio) Mancuso

Video:MCP (Django) + Greenwood (Höllenhunde - kürzer!)

Das Sezessionskriegs-Gespenst Django (ja, diesmal wirklich!) taucht in Dirty City auf, um die Totenglocke zu läuten: Rod Murdoch hat einst seine Konföderierten-Kameraden verraten und zu einem grausamen Schicksal verurteilt. Doch die sündige Vergangenheit kehrt zurück, um ihn zu richten...
Ein absolut großartiges Beispiel für einen individualistischen, ganz und gar einzelhaften B-Western, der seine an und für sich konventionelle Geschichte zu einer exemplarischen Schauermär über die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart werden läßt, in der Anthony Steffen - mit gewohnter Leichenbittermiene - im schwarzen Totengräberkostüm einherstapft und Gericht hält: Er schlägt den Poncho zurück und macht Schluß. Sehr viel komplizierter wird es beim jüngsten Tage dereinst auch nicht zugehen...wenn man an so was glaubt. Django glaubt nicht daran; er macht kurzen Prozeß, Piazza Pulita, klar Schiff, und alle, die sich einst gegen ihren Nächsten vergangen haben (oder genaugenommen, gegen Steffen) werden ohne viel Federlesens und Fisimatenten in die kalte Grube befördert! Einige, die vor Murdoch drankommen, sind kaum besser dran: Gleich zu Beginn schlurft Steffen in eine Westernstadt und pflanzt ein Kreuz in den Grund, auf dem der Name des zu erwartenden Todesfalles vermerkt ist. Django beweist dabei einen außerordentlichen Sinn für Melodramatik und theatralisches Auftreten, wobei er glänzend unterstützt wird von einer extrem realitätsfernen Regie, die in ihrer comicstriphaften Verwendung von bizarrer Beleuchtung und schrägen Kameraperspektiven eine Atmosphäre erzeugt, die so weit vom Realismus entfernt ist wie die zerfließenden Uhren Herrn Dalis. Obwohl sich ähnlich gelagerte Tendenzen bereits früher im Werk von Sergio Garrone angedeutet haben, ist es nie zuvor (oder später) zu einer dermaßen besessenen Verwendung andersweltlicher Stimmung gekommen wie hier: Django ist kein Mensch mehr, sondern ein Symbol für die Vergeltung, für das Strafgericht, das auf uns arme Sünder alle wartet! Endlich einmal hätten die markigen Verleihersprüche recht gehabt... Sergio Garrone begab sich nach seinen Western bekanntlich ins "naziporno"-Gewerbe und fertigte dort zwei eher unappetitliche Gefängnisfilme, die ihm keine Ehre gemacht haben. Zwei ihm zugeschriebene Frauengefängnisfilme - von denen einer als HÖLLE DER VERFLUCHTEN bei uns auf Video erschienen ist - stammen nicht wirklich von ihm, sondern von Gianni Siragusa. Er selber ist ein höchst sympathischer Mensch, der sich Anfang der 80er unwiderruflich aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat, um sich dem Antiquitäten- und dem Pizzahandel zu widmen. Als ich und Peter ihn trafen, führte er ein Geschäft für Goldkunsthandwerk. DJANGO IL BASTARDO bleibt meiner Meinung nach sein bester Film, der zwar zahlreiche logische Löcher und Schnitzer enthält, aber eine Kraft und Energie ausströmt, von der andere Filme des Genres nur träumen können. Das Drehbuch wurde cogeskriptet von Hauptdarsteller Steffen. Sein Kontrahent Murdoch wird gespielt vom ehemaligen Tänzer Paolo Gozlino, den man in Capuanos 1955 gedrehtem sizilianischen Rührdrama LA ROSSA noch in tänzerischer Aktion erleben durfte. Als Choreograph arbeitete er bis mindestens in die 80er hinein, und sein scharfkantiges Gesicht ist in vielen Filmen der 60er und 70er zu bewundern. Als sein paranoider Bruder hat Luciano Rossi eine absolute Traumrolle - vielleicht die beste seiner Karriere, abgesehen von dem Part als Krüppel neben Anthony Quinn in Terence Youngs THE ROVER. Sein Jacques ist wahnsinnig bis unter die Haarspitzen, und in der Szene, in der er Steffen zu erhängen versucht, ist beleuchtungstechnisch alles aus: Geistige Nacht an allen Fronten! In einer Szene macht er Sheriff Furio Meniconi einfach platt und ballert aus Jux noch in die Menge! Seine Frau ist Rada Rassimov, Ivans Schwester, die selten so unheimlich ausgesehen hat wie hier. Die Musik müßte dringend mal veröffentlicht werden und enthält tolle "Django"-Schluchzer. Auch der Schluß ist exemplarisch: Rada läuft Steffen hinterher, bietet ihm Geld dar, doch er meint nur cool: "Ich hab' schon ein Leben gelebt!" Der Mann hat kein Interesse am Mammon, er ist nonmaterialistisch: eine wichtige Lektion für alle die, die den Italowestern für grundzynisch halten. (Er ist das genaue Gegenteil und benutzt Wertelosigkeit nur als Butzemann.) Der Film geht richtig ab!
(CK)