Start Buio Omega Club Edgar Wallace Treffen Wolf C.Hartwig Robert Hoffmann Horst Frank Herbert Fux Fred Williams Friends Family Dan van Husen Gisela Hahn
Karin Dor Mandy Mystery Ann Smyrner Al Cliver Jess Franco Matthias Hues Francesca Tu Arthur Brauss Maria Rohm Malisa Longo

Filme mit Karin Dor:

 

KARIN DOR

Zurück in die Zukunft

Das Deutsche Kino der 60er Jahre wurde durch eine lebhafte Mischung aus Unterhaltungs- und Genrefilmen bebildert. Zu den signifikanten Erscheinungen die nachhaltig den Deutschen Kriminal- Film prägten, gehört unausweichlich auch Karin Dor. In dieser Zeit, bei der man noch von einer funktionierenden deutschen Filmindustrie sprechen kann, brachte es Karin Dor immerhin bis zum Titel "Miss Krimi". Dabei sind ihre Auftritte in der erfolgreichen deutschen Kino-Thriller-Serie durchaus noch überschaubar. Ganze fünf Mal trat sie in einer nach Edgar Wallace erzählten Geschichte, unter der Regie ihres damaligen Ehemannes Harald Reinl, in Erscheinung. Erst durch ihre Mitwirkung in unzähligen gleichgearteten Genreproduktionen, wie HOTEL DER TOTEN GÄSTE oder DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE, zementierte sie mit akribischer Kontinuität ihr Image. Dank ihres Charakters in dem Bond-Film MAN LEBT NUR ZWEIMAL, in dem sie ihren züchtigen Mädchen-Nimbus komplett auf den Kopf stellte, wurde sie zu einer der wenigen Deutschen Schauspielerinnen mit zeitlosem Haltbarkeitsdatum. Als Helga Brandt überzeugte sie die Filmgemeinde von ihrer dunklen und erotischen Seite. Letzteres hatte bis dato vor allem der männliche Teil ihres Publikums oft vermissen müssen.

Ihre Zusammenarbeit mit Filmlegende Alfred Hitchcock in TOPAZ, ließ viele schon an eine Hollywood- Karriere glauben. Doch nach ihren Angaben waren die frühen 70er ein schlechter Zeitpunkt um als Europäerin in Hollywood an den Start zu gehen: "Das große Hollywood-Ding war ja damals schon zu Ende. Es ist ja eigentlich schon zu spät gewesen, denn es wurden ja keine großen Filme mehr gemacht. Alles wurde an original Schauplätzen gedreht. Ich habe dann später Fernsehen gemacht, in den Hallen wo TOPAZ gedreht wurde, bei Universal. Es war so was von traurig, diese riesigen Hallen die nicht mehr benutzt wurden, nur noch kleine Dekorationen fürs Fernsehen.

Ich machte dort eine Fernsehserie unter der Regie von Jack Arnold -mit dem ich mich übrigens blendend verstanden habe-, mit Fred Astaire und Robert Wagner. Ich sprach seinen Namen damals auch auf englisch aus, und Robert Wagner korrigierte mich: 'Wagner (Karin Dor imitiert Robert Wagner), auf deutsch bitte!' Darauf hat er sehr großen Wert gelegt, dass das auf deutsch ausgesprochen wurde. Auch Fred Astaire war ein Schatz, ein Schatz! Er war auch nicht mehr so jung, da muss er schon 70 gewesen sein und der Robert Wagner hat gesagt, komm Stepp ein wenig für uns und dann morgens ging der ab . . . es war so herrlich!"

Das Karin Dor im Februar 65 geworden ist sieht man ihr wirklich nicht an, die Frau könnte Werbung für Turnschuhe machen. Als Gesprächspartnerin ist sie ein Profi, freundlich, souverän, aber Zurückhaltend. Das sich ihr Pulsschlag besonders bei Fragen zu ihren Wallace- Filmen verlangsamte, korrespondierte besonders gut mit unseren Interessen. Dieses Thema erfährt ja (zu recht) einer immer wiederkehrenden Würdigung und sollte deshalb bei dieser Unterredung nicht unbedingt den Mittelpunkt bilden. Einige Male wurde die routinierte Schauspielerin dann aber doch von einer Art überschäumender Mitteilungslust gepackt und "taute auf". Doch erst einmal zu ihren Anfängen. Trotz ihrer besonderen Ausstrahlung behauptete Karin Dor von sich nie eine Schauspielkarriere geplant zu haben: "Ich wollte Innenarchitektin werden, und das mache ich zwar heute auch noch, aber nur noch privat für mich. Das ist etwas das ich sehr liebe, mein eigentlicher Berufswunsch von Jugend an. Ich habe Komparserie gemacht, "Unter den Eichen" in Wiesbaden, dass war damals ja noch ein Filmstudio, während ich noch ins Gymnasium ging. Das haben ein paar Mädchen gemacht, vom Gymnasium, um sich das Taschengeld aufzubessern. Und nebenbei habe ich auch noch Schauspielunterricht genommen und Ballettunterricht, aber nicht um das später als Beruf zu nehmen oder Tänzerin zu werden, sondern meine Mutter hat gesagt du hast so eine schlechte Haltung, wir müssen irgendwas tun! Da hatte ich also bei der Hertha Dehler Tanzunterricht und bei der Hertha Gänsmer Schauspielunterricht. Ich dachte na ja, dass kann man immer ganz gut gebrauchen. Dann habe ich aber "Blut geleckt" bei der Komparserie, ich hatte dort einen Satz zu sagen und das fand ich schon interessant. Da hatte ich einen Satz zu sagen in einem Film, und die Maria von der Osten-Sacken war die Produzentin des Films. Und die wollte mich gerne unter Vertrag nehmen, und ich sagte nur da muss ich erst einmal mit meinen Eltern reden. Dann bin ich aber ohne Wissen meines Vaters vom Gymnasium abgegangen und habe einen Vertrag über sechs Filme mit ihr gemacht. Der aber nach einem Film schon wieder gelöst wurde, weil die Constantin mich aus diesem Vertrag auslöste und mich bei sich unter Vertrag nahm. Und dann ging es los . . .

DER SCHWEIGENDE ENGEL hieß Karin Dors erstes Engagement als Schauspielerin, mit Produzentin v. d. Osten-Sacken. Den Satz, sagte Karin Dor noch als Statistin im selben Jahr 1954, in dem Film ROSEN-RESLI. Regie führte bei beiden Filmen Harald Reinl, welcher Karin Dors Karriere und Leben schon bald umfassend prägen sollte. Schon ein Jahr darauf heirateten beide. Harald Reinl war trotz der 29 Jahre Alterunterschied nicht nur als Regisseur, sondern auch in seinen Entschlüssen sehr schnell: "Das war ja das irrsinnig Komische. Er hat mich dann eingeladen den Rhein runter zu fahren, tagsüber so einen Ausflug, Sonntags. Und da hat er mir einen Heiratsantrag gemacht, da waren wir noch per Sie! Dann haben wir Bruderschaft getrunken, ohne Kuss! Das war also alles sehr merkwürdig und sehr aufregend. Aber es war die große Liebe! Es waren zehn wunderschöne Jahre!"

Ihre ersten beruflichen Erfolge erarbeitete sich die Wiesbadenerin in den 50ern, durch die Mitwirkung in unzähligen Heimat- und Schlagerfilmen. In dieser Zeit gehörten die größten Stars des deutschen Kinos zu ihren Partnern, wie Theo Lingen, Hans Moser, Harald Juhnke, Grethe Weiser, Hans Albers, etc. Sowie noch unentdeckte wie Götz George: "Der war damals schon voll Power. Der hat sich eigentlich nicht geändert." Meist führte in diesen Tagen noch ihre Ehemann Regie. Mit dem bekannten Filmproduzenten Wolf C. Hartwig (STEINER-DAS EISERNE KREUZ) drehte Karin Dor 1958 MIT EVA FING DIE SÜNDE AN: "Och Gott ja, ich hab den nicht so ernst genommen . . . Mit seiner damaligen Frau war ich sehr befreundet, Dorothee Parker alias Dorothee Glöcklen. Die lebt jetzt ganz in der Nähe von mir, drüben in den USA. Die hat ihre Model-Agentur aufgegeben und ist mit einem Engländer verheiratet. Schauspielerei hat sie damals wahrscheinlich nur gemacht, weil sie mit einem Filmproduzenten verheiratete war. Nachdem sie von Hartwig getrennt war, hat sie das nicht mehr interessiert." DER TEPPICH DES GRAUENS ist einer ihrer vielen Thriller für die nicht Edgar Wallace die Vorlage bot. Und ein Titel der tatsächlich ernst gemeint war. Ihre erste internationale Co-Produktion unterhält eher durch das Überagieren seiner Darsteller denn seiner Dramaturgischen Höhepunkte. Ein Werk das sich mehr an die Wallace- Erfolge anlehnte war HOTEL DER TOTEN GÄSTE, welcher in den Münchner Bavaria Studios gedreht wurde. Und ein Film der auch heute noch eine subtile Spannung vermittelt: "Das Buch hat Heather Gardiner geschrieben. Das war so merkwürdig, ich habe das Buch gelesen, der Deutsche Titel war DIE ROTE VASE, und dann kam der Film auf mich zu, zwei drei Jahre später nachdem ich das gelesen hatte. Da war ich natürlich ganz happy, weil ich fand das Buch so interessant. Und Eberhard Itzenplitz war ein ausgezeichneter Regisseur, der ist leider sehr früh gestorben, der hat sehr viel Fernsehen gemacht."

Neben Wendlands "Rialto" versuchte auch die Filmproduktion "International Germania Film", kurz IGF (6 PISTOLEN JAGEN PROFESSOR Z, OPERATION TAIFUN), in den 60ern eine Western- Reihe in den Kinos zu etablieren. Nach einem Buch des bekannten Autor James Fenimore Cooper entstand DER LETZTE MOHIKANER. Obwohl der in Spanien gedrehte Film sehr erfolgreich in den europäischen Kinos lief, fand er nie eine Fortsetzung. Der Grund war Sergio Leone. Sein FÜR EINE HAND VOLL DOLLAR, welcher parallel in den Kinos startete, wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und markierte ab sofort in Form und Inhalt den Standart eines modernen Westerns. Das völlige Gegenteil der biederen Kitsch-Abenteuer der Karl-May-Helden. Aber Italo-Western Ende der 60er war nach Karin Dors Aussage nicht dass was sie machen wollte. Außerdem hatte sie schon vier derartige Filme gedreht und Angst sich zu wiederholen. U. a. SCHATZ IM SILBERSEE und WINNETOU 2: "Bei den Karl-May-Filmen haben wir das ja teilweise in 5 Sprachen gedreht, da hat jeder seine eigene Sprache gesprochen. Da hatte ich ein wenig Probleme mit dem Serbisch und Kroatisch, ich musste meine Stichwörter erst auswendig lernen. Bei den Dreharbeiten zu WINNETOU 2 habe ich mir einen Beckenriss zugezogen, wurde im Krankenhaus verarztet und habe dann 8 Tage lang zu Hause im Bett auf dem Bauch gelegen. Ich konnte mich nicht bewegen, mit einem Ventilator, einem großen, weil es so heiß in dem Hotelzimmer war, dass war ganz gemein. Ach, da ist soviel passiert . . . Während der Dreharbeiten wurde Anthony Steel von seiner Ehefrau, einer ehemaligen Miss Österreich, ein Messer in die Achselhöhle gerammt! Der arme Kerl."

In einigen Nachschlagewerken ist immer wieder von einem distanzierten Verhältnis zwischen Karin Dor und Pierre Brice zu lesen. Was Karin Dor überhaupt nicht unterzeichnen wollte. "Nein, auf keinen Fall! Wir haben ein sehr gutes Verhältnis gehabt! Wer schreibt denn so etwas? Im Gegenteil, er hat mich in Bad Godesberg, als ich dort Theater gespielt habe, besucht und nachher sind wir noch zusammen Essen gegangen. Wir hatten und haben ein sehr gutes Verhältnis. Auch mit Lex Barker hatte ich ein sehr gutes Verhältnis. Weil der Lex sehr gut befreundet war mit meinem jetzigen Mann. Die waren ganz dicke Freunde. Lex hat noch drei Monate vor seinem Tod bei meinem Mann in L. A. Gewohnt. Und er sagte jetzt flieg ich mal nach New York und lass mich mal untersuchen, mach eine richtige General-Untersuchung. Und dort ist er dann auf der Strasse zusammengebrochen, Tot."

Eine weitere Phantastische Kino-Serie war DR. FU MAN CHU, des englischen Produzenten Harry Alan Towers. Da das meiste Geld seiner Produktionen von der CONSTANTIN stammte, kamen auch immer wieder Deutsche Schauspieler in den Genuss eines Engagements. Karin Dor gab ein Gastspiel im ersten Teil, ICH DR. FU MAN CHU: "Der Towers war auch ein irre komischer Typ, wahnsinnig lieb, nett und so, aber das waren alles so "B-Pictures". Er hatte eine merkwürdige österreichische Freundin, eine Blonde . . . Maria Rohm? Die nannte er immer mein Schnitzel. Das Wiener Schnitzel! Christopher Lee war wunderbar, ein wunderbarer Kollege, habe nie Probleme mit ihm gehabt, im Gegenteil. Mit dem Regisseur Don Sharp schon eher, war nicht so besonders der Mann. Genauso wie Nigel Green, der sich später umgebracht hat. Der soff wie ein Loch und war neidisch auf Fuchsberger, aus was weiß ich für Gründen, vielleicht auf sein Aussehen oder was . . . Mein jetziger Mann kannte ihn auch, er sagt auch er war ein richtiger Armleuchter! Das werd ich nie vergessen, eines Abends hatte er auch wieder wahnsinnig getrunken, und dann ging er auf den Fuchsberger los. Der hat eine Flasche zerschlagen an der Bar und ging mit der zerbrochenen Flasche auf den Fuchsberger los . . . Und Fuchsberger hat ihn mit einem Kinnhacken niedergestreckt. Dann haben die den nur noch rausgetragen. Eine Fortsetzung hat mich -ganz Ehrlich- nicht mehr interessiert. Der Film wurde übrigens komplett in Irland gedreht."

Dafür interessierte sie sich in jenen Tagen mehr für das Zentrum der europäischen Filmindustrie, für Rom. Mit Paul Hubschmid drehte sie dort einen Agenten-Film unter der Regie des Italieners Alberto De Martino (SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN), DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN. Welcher jüngst wieder das Fernsehpublikum von TM 3 erfreuen konnte. Trotzdem favorisiert sie heute einen anderen italienischen Film, ICH HABE SIE GUT GEKANNT von Antonio Pietrangeli: "Da kann ich mich natürlich noch gut daran erinnern! Der hat mir gut gefallen. Das war auch ein toller Regisseur, den habe ich gemocht. Meine Partner waren Alberto Sordi, Ugo Tongnazzi, Nino Manfredi, Mario Adorf. Der wurde nur an original Schauplätzen gedreht, kaum im Studio. Da haben wir Wohnungen angemietet, dass war alles original, in mehreren Sprachen, auf Englisch und Italienisch. Die Dreharbeiten zu ICH HABE SIE GUT GEKANNT waren sehr anstrengend, weil ich den MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN noch nicht ganz beendet hatte und das ging in eins über. Oder umgekehrt, danach kam "die Masken", genau. Die haben mir gesagt, sie können den Film gleich anschließend machen, der ist ja auch in Rom. Das hat sich aber dann überschnitten, die wurden nicht ganz fertig. Dann habe ich also nachts bei ICH HABE SIE GUT GEKANNT gedreht und Tagsüber für den anderen. Und da war es so, dass die mich morgens um fünf nach Hause gebracht haben ins Hotel, ich bin also abgeschminkt und unter die Dusche, und dann stand um sieben schon wieder das Auto für die nächste Produktion vor der Tür. Das habe ich so acht Tage mitgemacht und dann war ich total fertig! Acht Tage fast ohne Schlaf. Dann hatten wir das aber abgedreht und direkt im Anschluss daran bin ich nach Deutschland geflogen, zu den Dreharbeiten von DER UNHEIMLICHE MÖNCH, der wurde schon gedreht, in Hameln. Und im Taxi zum Drehort hat mir die Produktion ein Drehbuch in die Hand gedrückt, denn mein Mann sagte: 'jetzt hast du so viele Filme mit anderen gemacht, jetzt machst du noch einen Film mit mir'. Und ich dachte dass kann doch nicht wahr sein. Und am nächsten Morgen, mein Mann weckt mich, will mich wecken, ich sollte geschminkt werden, und ich war total fertig . . . 'sag denen ich bin tot, ich kann nicht mehr!' Also ich war total fertig, später ging es dann aber wieder."

Wovon man sich überzeugen kann. In Italien wollte man die Schauspielerin natürlich gerne dabehalten. Auch Karin Dor gefiel Rom sehr, sie war jedoch vertraglich anderweitig gebunden. Und zwar für Arthur Brauners Monumental-Epos DIE NIBELUNGEN. Die aufwendige deutsche Heldensage des edlen Siegfried wurde in Jugoslawien, Berlin und Island gedreht. "Den Film mag ich sehr, mit dem Terence Hill. Der damals von meinem Mann entdeckt wurde, von Harald Reinl. Mit dem ich schon WINNETOU 2 gedreht hatte. Der hat die Bilder gesehen von Terence Hill -damals hieß er noch Mario Girotti- und wollte den dann haben. Also richtig heraus gekommen -in Deutschland- ist Terence Hill erst durch seine Karl-May-Filme."

In dieser Zeit entstanden in Jugoslawien wegen seiner günstigen Drehbedingungen aber nicht nur Epische- Heldengeschichten. Ein interessanter kleiner Agenten-Thriller ist DAS GEHEIMNIS DER GELBEN MÖNCHE. Ein nett anzuschauender bunter Knallbonbon, aus der europäischen Bond-Ripp-Off- Phase: "Das war ein fürchterliches Ding, da hatten wir vier Regisseure. Der Manfred R. Köhler wurde nach zwei Wochen krank und dann hat jeder seine Szenen selbst gedreht! Solange Kinski gedreht hat, hat Kinski Regie geführt. Solange dann der Curd Jürgens gedreht hat, hat Curd Jürgens Regie geführt (Karin Dor lacht amüsiert), also es war furchtbar. Aber ich meine, wir haben uns natürlich köstlich amüsiert, weil es irrsinnig komisch war, saukomisch. Aus dem Drehbuch wurden wir schon gar nicht schlau, ich glaube der Film war genauso? Der Köhler war ein lieber. Ich kam mit dem wunderbar klar, der war ganz prima."

1968 wurde die Ehe zwischen Karin Dor und Harald Reinl geschieden. Später waren Köhler und Reinl Nachbarn auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa. Und der ausgefallene Manfred R. Köhler sorgte dann im Oktober 1986 für die Beerdigung seines Kollegen Harald Reinl, der dort von seiner Frau erstochen wurde. Von dem Tod ihres Ex-Mannes erfuhr Karin Dor während einer Theatertournee in Deutschland: "Ich stand damals gerade auf der Bühne in München, und war in der Stadt am Vormittag und kam um drei zurück. Ich hatte sonst immer das Radio an im Auto, aber an diesem Tag nicht! Und ich komme rauf in meine Wohnung und das Telefon klingelt. Ich gehe ran, Bildzeitung! Jetzt will ich ihnen was sagen, wie die sich ausgedrückt haben: 'Ja Frau Dor, wie geht's ihnen, gut?' Sag ich danke, gut! 'Ja haben sie schon das Neueste gehört, was ihrem Mann zugestoßen ist?' Ich fragte welchem, dem Ersten oder dem Zweiten? Zugestoßen! Weil er ja erstochen wurde, dass fand ich schon eine Formulierung . . . Dann hat er mir das gesagt und ich habe noch einen Satz gesagt, dass weiß ich noch, bis das da hinten bei mir erst mal so richtig dämmerte, was der gesagt hatte (Frau Dor tippt sich mit den Fingern auf den Hinterkopf), und dann habe ich einfach nur eingehängt. Am Abend habe ich noch meine Vorstellung gemacht, aber Verbeugen konnte ich mich nicht mehr, da liefen die Tränen nur so runter."

Im selben Jahr wie DAS GEHEIMNIS DER GELBEN MÖNCHE drehte Karin Dor in Brasilien einen Episoden-Krimi von ähnlichem Kaliber, GERN HAB ICH DIE FRAUEN GEKILLT. Ereignisreich für Karin Dor, denn bei den Dreharbeiten in Rio de Janeiro lernte sie ihren jetzigen Ehemann kennen. Für den englischen Regisseur ihrer Episode, Robert Lynn, hatte sie nicht so viel übrig: "Der war total unbedarft, ein schon älterer Mann, dem wohl der Überblick fehlte. Den Film habe ich nie gesehen!"
In GERN HAB ICH DIE FRAUEN GEKILLT spielte an Karin Dors Seite auch wieder Klaus Kinski, mit dem sie eine wirkliche Freundschaft verband: "Ich bin Herrlich mit ihm ausgekommen, ich mochte ihn wahnsinnig gern, wir haben uns sehr sehr gut verstanden! Ich kannte ihn ja gut, ich wusste seine Eskapaden waren so ein wenig für die Presse inszeniert. Aber wofür er bekannt war, dass er seine teuren Wagen alle zu Schrott fuhr. Und ich hatte damals gerade ganz brandneu einen 230 SL. Wir haben in Jugoslawien gedreht und da kam er und fragte mich, 'du ich habe acht Tage frei, ich würde so gerne nach Rom fahren, leist du mir dein Auto?' Ich sagte ihm: 'Du bist bekannt dafür dass du alle Autos zu Schrott fährst, aber ich vertraue ihn dir an. Ich weiß du wirst jetzt ein besonderes Augenmerk auf das Auto legen.' Und er brachte das Auto picobello wieder zurück und Zigaretten und was weiß ich nicht alles was der mitbrachte! Also ich mochte ihn wirklich gern! Damals war noch die Nasti dabei, die war damals noch 4 Jahre alt, und seine damalige Frau, da war das noch alles okay!"

Einer ihrer herausragenden Werke und auch schauspielerisch gelungensten Arbeiten, ist Karin Dors Auftritt in dem James Bond- Film MAN LEBT NUR ZWEIMAL. Bis heute ist sie damit die einzige Deutsche, die jemals eine große Rolle in der Bond-Serie übernehmen durfte: "Das war auch irrsinnig komisch. Ich drehte gerade die NIBELUNGEN und hatte zwischen den beiden Teilen 14 Tage frei. Und dann rief ich meine Agentur an, und sag zu meiner Agentin, buch mir mal einen Flug, ich komme am Freitagabend, ich will am Samstag auf die Bahamas. Dann rief sie mich am Freitag an und sagte unsere Maschine geht Morgen um so und soviel, und ich sagte, 'oh fliegst du mit? Schön!' Da sagte sie, 'nein, wir fliegen nach London!' Und sie erzählte mir das und ich sagte nur, 'bist du verrückt geworden, bist du wahnsinnig? Ich will Urlaub machen, ich will doch jetzt keinen Bond-Film machen!' Und sie sagte, 'und wenn ich dich dahin prügeln muss . . . du kommst mit!' Sie bestand jedenfalls darauf. Am Flughafen hat sie mir noch ein Paar Hochhackige Schuhe gekauft, weil die suchten eine 1,75 m große, blonde, blauäugige, Deutsche Schauspielerin. Und ich war 1,65 m, dunkel . . . (Frau Dor unterdrück sich ein Lachen). Na jedenfalls kamen wir da an, wir waren eingeladen bei Broccoli zum Tee, am Nachmittag. Dann fragte er mich welchen Bond-Film haben sie denn gesehen? Ich sagte gar keinen. Da sagte er, 'Oh, that`s the Girl I have to pay a Ticket for.' Ich hatte überhaupt noch nie einen Bond gesehen und hörte immer nur dass soll so ein toller Mann sein, der Connery. Dann haben wir noch einen Vertrag gemacht, Salzmann kam dann noch am nächsten Tag, und das dauerte ja ewig, 6 Stunden haben die da verhandelt. Na jedenfalls warteten wir dann auf die Arbeitsgenehmigung, die nicht kam, das dauerte eeewig! Na dann sind wir raus ins Studio gefahren, haben ein bisschen zugeschaut beim Drehen und dann sah ich Connery da bei der Probe, da sag ich zu meiner Agentin: 'Mein Gott ist das ein Lahmarsch, dass ist ja furchtbar . . . Da kommt ja nichts von dem Mann. Ich habe mir das so angeschaut bei den Proben. Und dann fiel die Klappe! Und da war der da! Der hatte sich ausgeruht bei den Proben, und dann war da plötzlich dieses berühmte "sparkle" in den Augen, da war der gigantisch! Also es war schon ein toller Typ. Ganz sympathisch! Da war die herrliche Geschichte, da war ja gerade das Weltmeisterschaftsspiel Deutschland England, 1966, und wir warteten immer noch auf die Arbeitsgenehmigung und wir hatten beide eine Suite, meine Agentin und ich, in diesem stinkfeinen teuren Dodgester-Hotel. Aber die hatten keine Fernseher auf den Suiten, das war also unter ihrer Würde, damals noch. Und Connery fragte uns, wollt ihr euch das Spiel anschauen? Natürlich, wollen wir das Spiel sehen! Dann bringe ich euch einen tragbaren Fernsehapparat vorbei. Dann schloss der uns das Gerät an, drehte sich noch einmal in der Tür um und sagte: 'Aber eins sage ich euch, wenn die Deutschen gewinnen, kriegt die Karin nie eine Arbeitsgenehmigung.' England wurde Weltmeister. Zwei Tage später hatte Karin Dor die lang ersehnte Arbeitsgenehmigung, nachdem sie 14 Tage darauf warten musste. Ihre anschließenden Dreharbeiten setzten sich genauso angenehm fort wie sie begonnen hatten. Mit Regisseur Lewis Gilbert, sowie ihren anderen Kollegen und Kolleginnen, kam die Schauspielerin glänzend aus. Trotzdem war Bond nicht der "Startschuss" für eine Weltkarriere. In Deutschland drehte sie darauf wieder mit Lex Barker. Leider hat Frau Dor an den bis heute einzigen Deutschen Gothic-Horror Streifen DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL nur wenig Erinnerung: "Den haben wir in Rothenburg gedreht, die Außenaufnahmen. Der Rest wurde in den Bavaria-Studios gedreht. Meines Wissens war da nie ein zweiter Teil geplant. Der Film war sehr gut besetzt. Auch Christopher Lee hat den Film sehr gerne gemacht, er hatte mit dieser Figur absolut keine Probleme. Damals jedenfalls nicht. Wenn sie allerdings immer nur auf eine Rolle angesprochen werden, den Dracula, finden sie das irgendwann auch nicht mehr so unterhaltend."

Von diesem "kleinen" Film aus den Bavaria-Studios, führte ihr Weg direkt in ein "großes" Studio nach Hollywood. Zu ihrer Rolle der Juanita de Cordoba, in dem Alfred Hitchcock Film TOPAZ, verhalf ihr wieder ein wenig der Zufall: "Ich war auf dem Rückflug von Mexiko über Los Angeles und rief meinen Agenten Cohner an, 'ich wollte nur mal schnell Hallo und auf Wiedersehen sagen, ich flieg morgen schon weiter nach Deutschland.' Dann lud er mich, Walter Cohner, zu einem Kaffe ein und sagte, 'Moment, mir fällt etwas ein, die suchen doch die Juanita de Cordoba', und dann rief er bei Universal an. Und dort hieß es, Hitchcock dreht gerade die Außenaufnahmen in Florida, weil die in Kuba nicht drehen konnten, da sagt der Cohner, warum lassen sie die Frau Dor nicht hier, wir buchen ihren Flug um, sie zahlen ihr Diäten bis der Hitchcock wiederkommt, der sollte in einer Woche wiederkommen. Nein nein, soviel wir wissen hat Hitchcock schon jemanden, sie kann zurück fliegen! Wir melden uns, wenn sie in den nächsten 8 Tagen nichts von uns hört, hat es sich für sie erledigt. Nach 14 Tagen, ich habe schon gar nicht mehr daran gedacht, morgens um vier klingelt das Telefon: Sofort die nächste Maschine nehmen, Hitchcock will sie sehen! Dann habe ich nur mein kleines Köfferchen gepackt, und habe mir gedacht, wenn der schon so viele getestet hat warum soll ich ausgerechnet die Rolle kriegen? Aber ich dachte nur kriegst eine 1. Klasse Flug, bleibst ein paar Tage in LA, genießt es und fliegst wieder zurück. Na ja, als ich dann die Rolle bekommen habe, dass war so irrsinnig komisch. Wir haben zu Mittag gegessen bei ihm im Büro, da hatte er ja einen riesigen Speisesaal, zu dritt, seine Sekretärin Peggy, er und ich. Und dann sagt er plötzlich: 'Kennen sie Miss Edith Head? (Die Schneiderin der Hitchcock Filme, d. A.) Ich glaube es wäre eine gute Idee, wenn sie zu ihr gehen würden und an sich Maß nehmen ließen.' Das war also seine Art mir klar zu machen, dass ich die Rolle habe. Cohner war draußen, der musste draußen warten, da habe ich dem gesagt wir haben sie gekriegt, da wäre der beinahe umgefallen."

Ihren kleinen Koffer, den sich Karin Dor mitgebracht hatte, konnte sie dann durch ein paar neue in Hollywood ersetzen. Hitchcock riet ihr einkaufen zu gehen und sich komplett neu einzukleiden, dem Studio sollte sie die Rechnungen zukommen lassen. Auch den Ruf bezüglich Hitchcocks Benehmen seinen weiblichen Stars gegenüber, hat die Wiesbadenerin nicht bestätigen können: "Ich wurde so gewarnt, weil er ja Schauspielerinnen gar nicht mochte, wurde so gewarnt, und wir hatten einen herrlichen Draht zueinander, wunderbar! Manchmal versuchte er einen zu testen und einen so ein wenig auf den Arm zu nehmen, da musste man aufpassen. Gedreht wurde alles im Backlot der Universal-Studios und in Florida. Palmen die es sonst nur auf Kuba gibt, hat er auf großen Sattelschleppern dorthin schaffen lassen. Der männliche Hauptdarsteller Frederick Stafford war ein ganz ruhiger, ganz netter. Ich hatte keinen großen Kontakt, denn er war gerade frisch verheiratet mit Marianne Hold, sehr verliebt. Aber als Kollege war es sehr angenehm mit ihm zu arbeiten." Außergewöhnlich war auch Karin Dors nächster Film, wenn gleich auch unter völlig anderen Vorzeichen. Der spanische SF-Horror- Fantasy- Streifen DRACULA JAGT FRANKENSTEIN. Eine schnell zusammengedrehte europäische Co-Produktion im Comic-Stil und trotzdem, oder gerade deshalb, unterhaltsam. Mittlerweile ein Standartwerk des Exploitation- Kinos und in hohem Masse Kultverdächtig: "Oh Gott nein, dass war dieses Ding! Furchtbar! Ich habe den auf Teneriffa gesehen, ich habe mich so geniert . . . Ja das haben wir schon während des Drehs gemerkt, dass das ziemlich daneben geht (allgemeines Gelächter), so ein Irrsinn. Der Regisseur war aber nicht Tulio Demicheli! Nein nein, warten sie mal, dass war ein Argentinier, Fregonese war das, genau Hugo Fregonese! Ich habe doch damals nicht im Traum daran geglaubt, dass der mal im Kino läuft! Aber wir hatten unglaublich viel Spaß beim Drehen. Michael Rennie, Michael hat immer gesagt, ach der kommt sowieso niemals in die Kinos! An einen Jacinto Molina kann ich mich gar nicht erinnern, oder wie er sonst noch geheißen haben mag, Paul Naschy? Den Film haben wir in Madrid gedreht."

Ihre Erinnerungen an den deutschen Abenteuerstreifen HAIE AN BORD, den sie in Sardinien drehte, sind zwiespältig. Der Film gehört nicht zu den Sternstunden deutschen Filmgutes, dennoch musste darüber gesprochen werden, da ihr Film-Partner Ausnahmeschauspieler Werner Pochath war. Der später ein guter Freund der Familie wurde: "Das war ja noch schlimmer als DRACULA JAGT FRANKENSTEIN, den Film können sie vergessen! Aber Pochath liebte ich sehr, großer Schauspieler, ganz was Liebes. Der lebte ja auch in LA. Er hat dort auch viele Filme gemacht, später in den 80ern. Wir waren wirklich gut befreundet, er war ja auch oft bei uns zu Hause. Aber der Produzent Reginald Puhl war ein Armleuchter . . . darüber will ich mich gar nicht auslassen. Der Regisseur Arthur Maria Rabenalt war ja ein noch größerer Arm . . . Aber den Werner habe ich sehr gemocht. Sein Tod hat uns sehr getroffen."

Die 70er waren geprägt von lieblosen Versuchen dem deutschen Film neue Impulse zugeben und dabei Zeitgeist bedingten Tendenzen Rechnung zu tragen. Die Ergebnisse waren oft nur Ausdrücke blanker Orientierungslosigkeit. Die Simmel-Verfilmung DIE ANTWORT KENNT NUR DER WIND von Alfred Vohrer, oder Rolf Thieles FRAUENSTATION. Auch Horst Buchholz versuchte in dem Thiele Film an alte Erfolge anzuknüpfen. Doch außer der Tatsache, dass sich der Zuschauer von einer gereifteren Karin Dor gefangen nehmen lassen konnte, hinterließ dieses Werk keine weiteren epochalen Eindrücke: "Mit Thiele und Buchholz habe ich sehr gern zusammen gearbeitet. Mit Alfred Vohrer auch, ein guter Regisseur! Leider ergab sich das vorher nie, da ich immer mit meinem Mann gedreht habe."

Mit dem Niedergang des Deutschen und Europäischen Kinos versandete auch Karin Dors Karriere. Trotzdem waren ihre gelegentlichen Pausen nie das Ergebnis beruflicher Tiefs, sondern selbst gewählte Rückzüge. Schon in den 70ern verlegte sie ihren Hauptwohnsitz ins sonnige Kalifornien. Eine Krankheit zwang sie Ende der 80er zu einer längeren Auszeit. Mittlerweile zählt sie zu den großen Damen des deutschen Films und ist auch wieder öfter im TV zu sehen. Wie in der Rosamunde Pilcher-Verfilmung RUF DER VERGANGENHEIT. Fast könnte man diesen Titel auch als Überschrift nehmen, aber dieser Powerfrau gehört die Zukunft!
mc


Top Of Page TOP OF PAGE Back START (c) 2000 Terrorverlag