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Filme mit Horst Frank:

 



Zum Gedenken an Horst Frank.
Geboren am 28. Mai 1929 in Lübeck
Gestorben am 25. Mai 1999

Herr Frank, ihre Hartwig-Produktionen und ihre Film-Karriere im Ausland, wie Italien und Frankreich interessieren uns am meisten. Erzählen sie uns aber bitte zuerst etwas über Ihre Herkunft und wie Sie zum Film gekommen sind.

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Ja gut, nach meiner Ausbildung zum Handelskaufmann versuchte ich noch, für Adolf Hitler den Krieg zu gewinnen, was mir allerdings nicht gelang. Nach dieser unnötigen Erfahrung ging ich zurück nach Hamburg. Dort besuchte ich eine Matinee von Will Quadflieg, der las dort Gedichte oder rezitierte etwas, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Jedenfalls, als ich die Vorstellung verließ, wußte ich - arrogant wie ich damals war - das kannst du auch. Bei der Prüfung für die Schauspielschule sprach ich dann nicht nur den Faust, oder nicht nur den Mephisto, sondern beide Rollen, ich hüpfte dabei immer hin und her. Das hatte noch keiner gemacht. Ich kam mit meiner Interpretation bis zur Abschlußprüfung, und fiel durch. Das hat mich aber einen Scheißdreck gekümmert, ich bewarb mich um ein Engagement in Lübeck und bekam es. Dort verdiente ich das wahnsinnige Gehalt von DM 106,80 netto im Monat, da war die Armbanduhr schnell im Pfandhaus und auch bei dem Zigarettenladen gegenüber stand ich bald in der Kreide. Damals sahen die Verträge noch so aus, daß ein Schauspieler einen Sommeranzug brauchte und einen Winteranzug und einen Sommermantel und einen Wintermantel und einen Smoking. Und so machte ich bei Lübecks bestem Schneider richtig große Schulden. Also verließ ich bei Nacht und Nebel Lübeck und ging nach Bonn, wo ich neben dem Theater für den Westdeutschen Rundfunk arbeitete. Nach einem halben Jahr hatte ich meine Schulden beglichen und kehrte bei hellem Sonnenschein wieder nach Lübeck zurück.

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Wie war der Übergang zum Film?

Ich bekam bald einen festen Vertrag in Basel, in der Schweiz, und da sah mein Gehalt auch schon ein bißchen anders aus. Von Basel aus machte ich in Zürich mein erstes Fernsehspiel, DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN. In dieser Zeit wurde nichts archiviert, da wurde geprobt, gesendet und weg war es. Von diesen Sendungen ist heute nichts mehr zu bekommen. Der Südwestfunk holte mich als nächstes für eine Reihe von Fernsehspielen. Dort machten wir pro Jahr 16 Fernseh-Stücke nach Vorlage berühmter Literaten, wie Dostojewski, Tolstoi oder Schiller. Und 1956 machte ich dann für Alfred Weidemann meinen ersten Kinofilm DER STERN VON AFRIKA...

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...in dem auch Joachim Hansen und Hans Jörg Felmy debütierten.

Ja, Weidemann suchte unverbrauchte neue Gesichter für diesen Film, der ein sehr großer Erfolg wurde. In diesen Jahren versuchte ich noch, Theater, Fernsehen und Film miteinander zu verbinden. Aber ab 1957 arbeitete ich dann fast nur noch fürs Kino. Es kamen Frank Wysbar, HAIE UND KLEINE FISCHE, Eugen Yorks DER GREIFER, mit Hans Albers..

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...Rolf Thieles DAS MÄDCHEN ROSEMARIE... und 1960 drehten Sie schon ihren dritten Film im Ausland, ihren zweiten französischen Film: TU NE TUERAS POINT mit Claude Autant-Lara. Sie sagten einmal das sei Ihr Lieblingsfilm, erklären sie uns das bitte?

Schon die Produktion gestaltete sich sehr schwierig, denn die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. In Frankreich durften wir diesen Film nicht drehen, in Italien auch nicht und so wichen wir auf Jugoslawien aus. In diesem Film spiele ich einen Deutschen Geistlichen, dem bei einer Hinrichtung Zweifel und ernste Bedenken an seinem Handeln kommen, und der schließlich seelisch am Krieg zerbricht. In einer Szene sollte ich also einen Gefangenen, der mir eigentlich nahesteht die Absolution erteilen. Ich sagte also Claude, „gebe mir eine halbe Minute, bevor Du die Sache aufnimmst", um mich auf diese schwere Szene total zu konzentrieren. Autant-Lara sagte also leise sein Silenzio, und es war totenstill. Ich wartete mit meinem jugoslawischen Kollegen eine Minute, ich wartete drei Minuten, ich wartete fünf, zehn Minuten. Bis ich merkte, daß der Lara gar nicht mehr am Set war. Ich fragte nach und der Aufnahmeleiter sagte mir, er sei gerade mal telefonieren. Tatsächlich, der Regisseur stand an einem Telefon. Ich war außer mir, alles, was ich an französischen Schimpfworten und Beleidigungen schon kannte, warf ich ihm an den Kopf. Ich bekam einen richtigen Psychorappel, zitterte vor Wut, und mir schossen die Tränen ins Gesicht. Plötzlich rief Autant-Lara: „Schnell die Kamera, jetzt drehen wir." Und so wurde es gedreht. Ich sprach meinen Text, das Vaterunser, das war aber mehr Rotz und Wasser als alles andere, und schoß dann einen MG-Salve auf meinen Partner. Dabei hatte das Maschinengewehr eine Ladehemmung, und Lara rief aufgeregt, „mach weiter, mach bloß weiter." Also drehte ich das MG um, verbrannte mir an dem heißen Lauf noch die Finger, und schlug auf meinen Partner mit dem Gewehrkolben ein. Dabei verletzte ich ihn am Ohr, aber er machte, Gott sei Dank, mit. Als diese Szene im Kasten war, jubelte das gesamte Team. Claude Autant-Lara sagte mir danach, daß er nicht zufrieden war, mit dem was ich ihm vorher angeboten hatte. Autant-Lara benutzte diesen Trick, um mich zu „knacken". Das kann einem Menschen natürlich auch schaden, aber an mich war auch kein „Rankommen". Später wurde der Film beschlagnahmt, kam aber doch nach Cannes. Die französische Delegation verließ den Saal und die rechte und linke italienische Presse brach in Streit aus. In Rom gingen die Loren und de Sica in Sitzstreik. Als jugoslawischer Festivalbeitrag erhielt er schließlich drei Preise.

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1963 machten Sie mit einem der größten französischen Stars einen wunderbaren Film, MEIN ONKEL DER GANGSTER, von Geoges Lautner. Sie spielten wie immer sehr elegant und stilvoll, einen Gangster. Ihr Partner war Lino Ventura.
Oh ja, ein echter Star und ein wunderbarer Kollege. Wissen Sie, Ventura sprach nach Feierabend nicht mehr über den Film. Er fragte viel banaleres, wie z. B. "wie geht es Deiner Frau", "Sind bei Dir zuhaus alle gesund", "Wohin gehen wir heute essen", "Bist Du mit Deinem neuen Auto zufrieden", etc. Und nicht dieses deutsche Kantinen-Geschwafel: "War ich heute wieder gut!?!" Er war so erfrischend klein, das findet man leider selten in diesem Geschäft. Was heute als Star herumläuft, können Sie doch alles wegschmeißen. Ein Star hat es nicht nötig, arrogant zu sein.

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Dann lassen sie uns mal über einen anderen erfrischend kleinen Menschen reden. Die rheinische Frohnatur Wolf C. Hartwig.

Ach der Wolfgang, mein Freund, und ein Filou, aber ein sehr liebenswürdiger Filou. Ja, mit ihm habe ich sehr viel gemacht, mindestens 20 bis 25 Filme (es waren 18, d. A.). Das muß ich erzählen. Es muß so 1963 gewesen sein, als wir den Western DIE FLUSSPIRATEN VOM MISSISSIPPI drehten. Hartwig war übrigens so ziemlich der erste, der Jugoslawien als Drehort nutzte. Als wir dort ankamen, führte er uns in eine Turnhalle, in der die Kostüme hingen, und wir machten uns naß vor Lachen. Hartwig hatte die Kostüme doch tatsächlich aus einem Münchner Faschings-Verleih, mit diesen Kinder- Cowboyhüten aus Preßpappe. Selbst die Pistolen waren Spielzeuge, an denen oben diese Schreckschußbändchen herauskamen, wenn man schoß. Lächerlich! Als wir uns weigerten, dort mitzumachen, lies Hartwig wenigstens für seine Hauptdarsteller noch richtige Kostüme anfertigen. In dem Film spielten auch Indianer mit, die wurden dann bei einem Angriff auf einen Raddampfer erschossen und versanken im Mississippi. Ihre Messer allerdings, die ja völlig aus Plastik waren, schwammen weiter auf der Flußoberfläche.

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Hartwig soll sein Geld nicht mit Filmen, sondern mit Börsengeschäften gemacht haben?

Das stimmt, rechnen konnte der Hartwig. Er wußte wirklich mit Geld umzugehen. Wenn wir in Bangkok oder irgendwo in Asien drehten, transferierte er sein gesamtes Vermögen einmal um den Erdball. Als das Geld nach einigen Tagen wieder ankam, war er um 100.000 DM reicher.

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In DIE FLUSSPIRATEN hatte Hartwig auch wieder einen Kurzauftritt!?

Jaaa, als Offizier. Ach, erst vor einigen Tagen hat er mich hier im Theater besucht, er ist schon über 80 wohl gemerkt. Und selbst heute lachen wir noch Tränen, wenn wir auf diese Zeiten zu sprechen kommen. Für DIE FLUSSPIRATEN hatte er nur ca. 20 Ackergäule der umliegenden Bauern angemietet. Wenn die Indianer sie ritten, waren es weiße Schimmel, und für die Kavallerie wurden die Gäule kurzerhand zu Schecken geschminkt. Auch der Mississippi-Raddampfer, den wir im Film hatten, war nur von einer Seite ein Boot, die der Kamera abgewandte Seite war ein einziges Brettergerüst.

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Trotzdem sehen gerade die Western der Rapid- Film heute sehr aufwendig aus.

Na ja... ich habe in meiner Karriere bestimmt auch viel Blödsinn gedreht, na, ich sag mal 50% gute Filme und 50% Mist. Aber mit Hartwig hatte ich immer sehr viel Spaß, warum hätte ich mir den entgehen lassen sollen? Für den SCHWARZEN PANTHER VON RATANA wollte die Kubaschewski vom 'Gloria-Verleih' nun unbedingt einen schwarzen Panther, in Thailand! (Horst Frank tippt sich mit dem Zeigefinger auf die Stirn). Hartwig ließ daraufhin den schwarzen Haus-Kater der Arri-Studios München durch das hohe Gras tapsen, diesen filmte er dann in Großaufnahme!

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Ihr erster Film mit Hartwig war DIE NACKTE UND DER SATAN, erinnern sie sich?

Ja, mit dem Dieter Eppler und Michel Simon. Beide hervorragende Schauspieler. Michel Simon war aber ein seltsamer Typ, der bei sich Zuhause nur mit Affen zusammenlebte.

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Wie funktionierte der Trick mit dem abgetrennten Kopf?

Da müssen sie einen der Techniker von damals befragen, ich weiß nur soviel, daß das mit einem Spiegeltrick funktionierte. Unterhalb des Tisches, in dem Simon steckte, montierte man einen Spiegel, in dem sich noch einmal ein gleichartiger anderer Tisch spiegelte. Das faszinierende an dem Film war, daß diese ganzen Gerätschaften echt waren. Die kamen aus der Industrie, insofern nahmen wir in unserem Film die medizinische Entwicklung bereits vorweg.

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In vielen seiner Asien-Produktionen spielte auch die damalige Frau von Hartwig, Dorothee Parker, mit. Was ist aus ihr geworden?

Sie gründete Ende der 60er eine Modelagentur. Aber was sie heute macht, weiß ich wirklich nicht.

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Brad Harris war in jenen Filmen sehr oft ihr Partner. Kamen Sie gut mit ihm zurecht?

Oh ja, ein toller Kerl. Mit ihm konnte man viel Spaß haben, er brachte mir viele Sachen bei, z. B. wie man sich für den Film prügelt und einige andere Stunts. Er machte auch sehr viele Hartwig-Filme, und wurde dann durch die KOMMISSAR X-Streifen sehr populär.

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Heinz Drache haben Sie in Thailand, bei den Dreharbeiten zum SCHWARZEN PANTHER VON RATANA, 25 DM für ein Bordell geliehen?

Jaaa... das stimmt. Das habe ich auch nur verraten, weil er mir die 25 Mark heute noch schuldig ist. Aber auch sonst hatte Drache ganz seltsame Ideen, wie man sich vor der Kamera gibt. Für eine Szene sollten wir uns prügeln, und wir studierten die Choreographie mit Brad Harris ein. Das heißt, ich studierte sie mit Harris ein, Drache schaute sich das nur an und meinte, das würde ihm reichen. Vor dem Dreh mußten wir das aber logischerweise auch zusammen probieren. Also redeten wir auf ihn ein, bis er sich dazu bereiterklärte. Dann passierte folgendes: Jedesmal wenn ich einen Schlag auf Draches Magen andeutete, streckte er seinen Bauch sogar noch heraus. Wenn man jemanden in den Magen boxt, passiert jedoch das Gegenteil. Er war nicht in der Lage, das zu kapieren. Das war einer der auf Wolken schwebt, die schon gar nicht mehr gab.

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Helmut Ashley - Regisseur von WEISSE FRACHT FÜR HONG KONG - sagt man nach, daß er seine Darsteller am Set nicht immer mit Samthandschuhen anfaßte?

Ashley war ein sehr guter Kameramann, kein besonders guter Regisseur, aber ein wirklich guter Kameramann. Ich kam mit ihm immer gut zurecht.

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Und Manfred R. Köhler, dem Regisseur von DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN?

Oh Gott! Nein, ein völliger Nichtskönner.

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Also ich finde DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN sehr amüsant.

Und warum? Weil wir den selber gedreht haben! Sie wissen, die Stühle bei einem Dreh tragen immer die Namen der Teammitglieder oder die berufliche Funktion. Ich drehte einfach das Schild am Stuhl von Manfred R. Köhler um, und dann bekommt man aus dem Wort REGIE das Wort EIGER. Als er dann fragte, wieso, sagte ich: „Das ist die Wand, an der schon viele gescheitert sind, so wird es auch Dir ergehen!"

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In DER FLUCH DES SCHWARZEN RUBIN war auch ein junger Schauspieler namens Thomas Alder dabei. Der soll sich Ende der 60er Jahre umgebracht haben?

Ja, das stimmt. Ich glaube, er hat seinen Kopf in den Gasherd gelegt. Aber ich kann nicht sagen warum. Ich kannte seinen Schwiegervater sehr gut, ein großer deutscher Verleger.

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Mit Rolf Thiele, mit dem Sie DAS MÄDCHEN ROSEMARIE drehten, machten sie Anfang der 70er Jahre zwei Filme, die bei der Kritik nicht gut ankamen. (Anm.: FRISCH, FROMM, FRÖHLICH, FREI und DER SCHARFE HEINRICH)...

Ja, einmal spielte ich einen obergeilen Franziskanermönch - in Sandalen und mit Leidenschaft!

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Das war DAS GLÖCKLEIN UNTERM HIMMELBETT.

Halt, ich bringe da was durcheinander. Sie meinen das mit der Böttcher und dem Partnertausch, der damals aktuell war. Da lachen ja die Hühner, was man in den 70ern als Erotik bezeichnete. Das kann man vergleichen mit einem Kilo Tomaten, die frisch und aromatisch sind: Später dann lassen die sich nicht mehr verkaufen. Es gibt eben Arbeit, die gemacht werden muß. Es ist halt ein Geschäft, und Thiele konnte das wohl besser als irgend ein Nobody. Nicht umsonst war Wolf Hartwig der Erfindes des „Schulmädchen-Reports".

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Wie sehen Sie eigentlich das deutsche Filmgeschäft und auch das Fernsehen heute?

Schrecklich! Furchtbar! Kommt mal ein gut gemachter Film, der den Zuschauer zu fesseln weiß, wird er just in dem Moment unterbrochen. Und man muß Werbung ertragen für Damenbinden oder Pepsodent. Das Resultat ist: Die Leute schauen gar nicht mehr hin. Entweder Bügeln sie, rühren in der Suppe oder bumsen. Was sollen die armen Leute auch machen? Den „Aus-Knopf" hat man ihnen wahrscheinlich nie gezeigt. Wissen sie, den Beruf des Schauspielers kann man heute so definieren: Früher wurden sie gebraucht, dann wurden sie lästig, heute sind sie überflüssig.

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Aber der deutsche Film hat doch auch gute Sachen hervorgebracht.

Ja natürlich. Nur früher brauchte man sich noch nicht so um Quoten zu scheren. Ich will ja gar keine Kultur verbreiten, aber Qualität!

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Was würden Sie heute einem jungen Kollegen raten wollen?

Wenn ich Kollegen fragen, wofür sie sich halten, und sie antworten „Schauspieler", halte ich ihnen entgegen: „Nein, du bist nicht mehr als ein Handlungsreisender, ein Zwischenträger zwischen dem Produzenten und dem Konsumenten. Der Beruf besteht zu 95% aus Schweiß und zu 5% aus Inspiration. Arbeit ist das Wichtigste. Talent oder Begabung ist eine Sache, die hat man oder nicht. Viele sollten ihr künstlerisches Brett vor dem Kopf abstreifen und die Ware herstellen, die das Publikum mag. Das ist die einzige Aufgabe dieses Berufs. Der Zeit den Spiegel vorhalten, aber die Leute dabei unterhalten! Diese subventionierte Oberlehrerhaftigkeit des deutschen Films war doch die größte Scheiße. Und heute, wenn ich da einen Wedel sehe, der mit seinen Schauspielern per Megaphon spricht und St. Pauli in München nachbauen läßt, da fasse ich mir doch an den Kopf!

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In einem Interview konnte man von Ihnen den Satz lesen: „Eine zeitlang habe ich nur gefilmt, wenn ich Geld für meine Farm in Afrika brauchte." Zu welcher Zeit war das, und warum haben Sie die Farm aufgegeben?

So mit 30 Jahren bin ich nach Afrika/Tansania und war fast sieben Jahre unten. Ich wollte wissen, ob ich noch etwas anders kann. Dort habe ich eine Kaffee-Plantage betrieben. Ich habe aber nicht nur meine Farm aufgebaut, sondern ich baute dort auch Straßen und eine Schule, sogar das örtliche Krankenhaus habe ich unterstützt. Als die politische Lage für uns Weiße dann immer gefährlicher wurde, mußte ich alles stehen und liegen lassen. Dabei habe ich sehr viel Geld verloren! Später habe ich dort noch einen sehr anstrengenden Film gemacht, der auch nicht in Deutschland erschienen ist...

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Meinen sie den Jürgen Goslar Film, FLÜSTERNDER TOD?

Ja, genau!

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Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Christoper Lee? Mit dem Sie auch noch DIE RACHE DES DR. FU MAN CHU machten.

Blendend, ich kam mit ihm sehr gut zurecht. Also wenn Sie reißerische Geschichten hören möchten, muß ich Sie enttäuschen. Selbst mit Steward Granger, der ja nun wirklich schwierig war, habe ich mich sehr gut verstanden. Und das obwohl er mir einen Drehtag schmiß.

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Wie bitte?

Ich hatte mir bei einer Szene meinen weißen Anzug versaut, und die Reinigung ließ einige Stunden auf sich warten. Als das gute Stück dann endlich da war, winkte Steward noch einmal freundlich und machte Feierabend. Ich hab Jimmy dann noch einmal kurz vor seinem Tod in Hamburg getroffen. Er drehte dort eine Fernsehserie (Anm.: Die Guldenburgs) und rief mich an, weil er mich treffen wollte.

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Sie tragen ja in FLÜSTERNDER TOD ein fürchterliches Make-up.

Ja, das kann man laut sagen. Jeden Tag saß ich vier bis fünf Stunden in der Maske. In jede Gesichtsöffnung wurde mir etwas hineingesteckt. Mund, Nase, Lippen, um möglichst negroid auszusehen. Dafür hatten sie Englands besten Maskenbildner engagiert. Geschminkt wurde ich im Hotel, da können Sie sich sicherlich vorstellen, was los war, wenn ich so durch die Hotelhalle ging. Dann wurde ich krank, und Erik Schumann hat mich in einigen Einstellungen gedoubelt.

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In Berlin drehten Sie für Arthur Brauner GEHEIMNISSE IN GOLDENEN NYLONS. Ein Film mit Starbesetzung, Peter Lawford, Herbert Fux, Werner Peters...

Ja, der Werner Peters, auch ein wunderbarer Mann. Er starb leider viel zu früh. Brauner ist auch ein guter Filmproduzent. Er ließ sich nie im Studio blicken, das macht einen guten Produzenten aus; viel lieber streifte er über das Gelände und schlug lose sitzende Nägel wieder gerade. Brauner holte sich gute Leute und ließ die dann machen. Einmal jedoch wurden wir nicht fertig, und die Drehzeit verlängerte sich um einen Tag und um noch einen Tag... So kam Brauner dann doch noch einmal ins Atelier, um nach dem Rechten zu sehen. Wir wußten, daß wir wieder nicht bis zum Abend fertig werden würden, und Brauner holte aus seiner Hosentasche ein Bündel Geldscheine. Dann ging er von Techniker zu Techniker, und legte jedem einen 10 DM-Schein in die Hand (Frank steht auf und imitiert Brauner und dessen polnischen Akzent): „Hier sind 10 Mark für Dich, bleibst Du noch eine Stunde länger". Und manchmal hab selbst ich geniale Einfälle. Ich holte auch Geld aus meiner Tasche und rief: „Ich gebe jedem 20 DM wenn Ihr jetzt nach Hause geht." Humor gehörte damals auch noch dazu, heute muß man den am Studioeingang abgeben!

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Mit Mario Caiano kam 1964 ein Western mit Hollywood-Besetzung. DIE LETZTEN ZWEI VOM RIO BRAVO.

Mit meinem Freund Rod Cameron.

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Genau. Aber mich würde noch interessieren, warum Sie schon in der Mitte des Streifens erschossen werden, wenn Sie doch vorher so aufwendig in die Geschichte eingeführt wurden.

Ja ich weiß, eigentlich ergibt das wenig Sinn. Das waren rein strategische Gründe. Die Produzenten wußten, wenn der Frank Menschen umbringt, kommen die Leute auch ins Kino. Die buchten mich meist nur für einige Tage, denn es reichte, wenn mein Name auf dem Plakat stand

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Mit Caiano drehten sie 1972 einen für die Zeit typischen italienischen Thriller. Den Giallo L'OCCHIO NEL LABIRINTO. In dem Film werden Sie von Rosemarie Dexter ziemlich übel zugerichtet.

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Tut mir Leid, aber daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich habe so viele Filme in Italien gedreht. Manchmal ging ich rechts schießend aus dem Bild, und kam links in einem anderen Film, die Hände in den Taschen wieder rein.

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War das vielleicht mit Ferdinando Baldi? Mit dem Sie drei Western machten?

Möglich. Sie können sich nicht vorstellen, was damals in italienischen Studios los war. Das war eine riesige Industrie, viel professioneller als bei uns. Die Schießeisen z. B. wurden für jeden Schauspieler handgefertigt. Auch für mich, da ich Linkshänder bin.

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Ein anderer sehr bekannter italienischer Regisseur war Umberto Lenzi. Mit ihm drehten Sie unter anderem 5 GEGEN CASABLANCA.

Oh ja, mit Flathead.

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Flathead?!?

Dieser Ken Clark. Ich nannte ihn nur Flachbirne. Na ja, ein Schauspieler war er ja wohl kaum. Aber mir sollte es recht sein, solange er seine Finger von meinem Knie ließ.

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Aha (!). Apropos Knie, in einem JERRY COTTON-Film sind Sie der Gegenspieler von George Nader.

Ach nein, der... Wenn der nicht solche Partner wie den Richard Münch und den Heinz Weis gehabt hätte, niemand würde sich das anschauen wollen. Ich glaube, ich habe in dem Film irgendetwas mit Nitroglyzerin gemacht...

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Umberto Lenzi taucht in Ihrer Filmographie noch ein weiteres Mal auf. 1969 drehten Sie COSI DOLCE - COSI PERVERSA. Ihre Partner waren Caroll Baker und Trintignant.

Ja, ich glaube, den machten wir in Paris. Also Lenzi war nicht unbedingt mein Freund. Ich mag es nicht, wenn man nach Leuten tritt, die schon am Boden liegen. Nur habe ich mich nicht treten lassen.

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Dann lassen Sie uns doch einmal auf einen weiteren Deutschen, der in Italien sehr populär war, zu sprechen kommen: Klaus Kinski.

Mein Freund Klaus! Ich hatte mit ihm immer ein ganz kleines, fast kollegiales, Verhältnis. Man kann sogar sagen, daß wir für kurze Zeit befreundet waren. Ich machte zwei Filme mit Klaus, und immer, wenn ich eincheckte, hörte ich, daß sie Kinski gestern erst aus dem Hotel geworfen hatten. Am besten hat er mir noch in dem „Ludwig"-Film gefallen neben dem grauenvollen O. W. Fischer. Lustig war auch Kinskis Rolls-Royce, den er sich in Rom zugelegt hatte. Ein riesiges Schiff, bei dem Klaus nur knapp über das Lenkrad schauen konnte (Horst Frank imitiert Kinski am Steuer). Die römische Verkehrspolizei konnte gar nicht erkennen, wer hinter dem Steuer saß. In Rom fuhr nur noch der Papst so ein Fabrikat. Und jedesmal wenn Kinski den Verkehr unsicher machte, sperrte die Polizei sicherheitshalber die Straßen ab. Ich wohnte in Rom gleich neben ihm, und wir unternahmen damals viel gemeinsam. Aber wenn er mal wieder drohte auszurasten oder anfing zu spinnen, zeigte ich ihm nur meine geballte Faust, um ihn wieder auf den Teppich zu holen. Als Schauspieler jedoch ist er unbestritten. Später ist er, glaube ich, dann wirklich krank gewesen. Am schönsten war aber noch das Interview das er mit der Nosbusch gemacht hat, das hat mich sehr amüsiert.

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Noch eine Frage zu TIMM THALER. Haben Sie die Serie gerne gemacht?

Ja, natürlich, ein absolutes Highlight! Das hat Spaß gemacht. Der Tommi Ohrner war ein hervorragender Kinderdarsteller, unbefangen und natürlich, ideal eben. Eine typische Pubertätsbegabung: Als Schauspieler wäre er nichts geworden. Es war auch eine gute Entscheidung von ihm, später zur Moderation zu wechseln. Nach seiner Pubertät vermißte man bei ihm schon ein wenig Talent...

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Die Schwester von Tommi Ohrner, Caroline, mochte ich sehr. Die hatte zwei riesige Talente.

(bricht in lautes Lachen aus) Oh ja, die mochte ich auch!

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Herr Frank wir danken Ihnen für dieses Gespräch, und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute!

Das Interview führten Michael Cholewa und Uwe Huber im April 1999.



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